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Freitag, 25. Januar 2013

Überwinterung von Vietnamesischem Koriander


Heute schaute ich die einzige Pflanze an, die ich diesen Winter in meiner Wohnung überwintere. Es ist ein äußert robustes und leicht zu vermehrendes Gewächs mit Koriandergeschmack, weshalb es in Deutschland als Vietnamesicher Koriander bezeichnet wird. Der botanische Name lautet aber Polygonum odoratum - es ist also ein Gewächs, das botanisch mit Koriander überhaupt nichts zu tun hat. Das ist in diesem Fall großartig, denn Koriander ist ein einjähriges Gewächs und muss alljährlich neu gesät werden - diese Pflanze dagegen ist ausdauernd und übersteht Jahre!

Die Voraussetzung für jahrelanges Wachstum ist allerdings, dass man sie überwintert. Der Vietnamesische Koriander mag es überhaupt nicht kühl - bei Tempertauren unter 5 °C fängt er sichtlich an zu leiden - Frost würde ihn sofort umbringen. Er ist deshalb die einzige Pflanze der ich ein Plätzchen in meiner Wohnung gegeben habe.

Doch leider geht es dem Vietnamesichen Koriander gar nicht gut. Er leidet an den drei Sachen, mit denen die meisten auf der Fensterbank einsam überwinternden Pflanzen zu kämpfen haben: warmer Heizungsluft die von unten die Erde austrocknet, zu wenig Licht und einer gießfaulen Gärtnerin (die sich dafür natürlich ordnungsgemäß schämt). Erkennbar sind diese Probleme an den langen, blasgrünen Trieben der Pflanze. Diese Triebe nennen sich "Geiltriebe" und werden von sehr unerfahrenen Gärtnern oft als vitale Wüchsigkeit aufgefasst. Tatächlich sind sie aber das Gegenteil - nämlich der panische Versuch der Pflanze mehr Licht zu ergattern.

Was hilft einer leidenden Pflanze in diesem Fall? Die erste Möglichkeit (und die beste) ist ein ebenso heller aber etwas kühlerer Standort, etwa ein Schlafzimmer in dem weniger geheizt wird. Steht die Pflanze am Nordfenster sollte sie umgehend an ein Südfenster gestellt werden.
Zusätzlich können die Geiltriebe abgeschnitten werden um Stecklinge zu ziehen. Vietnamesicher Koriander ist dafür hervorragend geeignet (aber auch andere Pflanzen wie überwinternde Geranien!). Man kann ganz einfach den Trieb abschneiden und in ein Wasserglas stellen. Im Frühling hat man dann zwei Pflanzen.

Kann man an den schlechten Überwinterungsbedingungen nichts ändern heißt es Ruhe bewahren. Auf keinen Fall nun einen Fehler begehen wie der Pflanze Dünger zu geben! Lieber darauf achten dass die Erde nicht austrocknet, häufig aber wenig gießen (das ist besser als einmal die Woche richtig viel!) und eventuell ganz schlaffe und extrem geschossene Geiltriebe kappen. In der Regel können die Pflanzen im Frühling zurückgeschnitten werden und wachsen dann wieder in sattem Grün kompakt nach!

Dienstag, 20. März 2012

Das erste Balkongemüse

Der März neigt sich dem Ende, überall grünt und blüht und sprießt es wie verrückt. Liebe Balkongärtner - nix wie raus auf den Balkon und die Frühlingsgefühle genießen!

Geht man jedoch enthusiastisch und voll Vorfreude auf den Balkon und es wollen sich partout keine Frühlingsgefühle einstellen, ist das kein Anlass zur Sorge, nein, das ist völlig normal. Denn in jedem Winter wird es aus dem Lieblingsplätzchen des Sommers eine Art Rumpelkammer, ein trostloser grauer Ort an dem Leergut, Gerümpel, alte Weihnachtsbäume und traurige Pflanzenleichen lagern. Kein Grund zu verzagen, so ein Balkon kann ganz fix hergerichtet sein. Das habe ich drei hinreissenden Mädels in Berlin bewiesen: in knapp einer Stunde wurde aus ihrem tristen Winterbalkon ein super Ort zum Kaffee trinken, schnacken, lesen, ausruhen, träumen - und natürlich gärtnern.
Da der Balkon im letzten Sommer schon bepflanzt war, waren zum Glück noch Erde und Töpfe vorhanden. Im musste nur ein bisschen Saatgut und ein paar Stauden besorgen. Wichtig für alle, die nun einen Balkon herrichten wollen ist, dass es für die meisten einjährigen Blumen noch zu früh ist! Die kommenden Nachtfröste kosten Geranien, Basilikum oder Koriander schnell das Leben. Besser man pflanzt jetzt erst die mehrjährige Kräuter wie Thymian, Oregano oder Schnittlauch. Wer es bunt haben möchte kann auch Narzissen, Veilchen oder Stiefmütterchen pflanzen, sie lassen sich in ihrer Blühfreude auch von kalten Temperaturen nicht irritieren. Überlebende Balkonstauden aus dem letzten Jahr können zurückgeschnitten werden damit sie ungehindert austreiben.
Auch Pflanzen, die für ihren Topf zu groß geworden sind, können nun umgetopft werden. Das gilt meist auch für gekaufte Kräuter, an deren Wurzeln man sehen kann, dass sie viel mehr Platz bräuchten. Gibt man ihnen einen größeren Kübel, werden sie es mit großer Wüchsigkeit danken!
Nach nur einer Stunde war aus dem Berliner Winterbalkon ein frühlingshafter Ort geworden. Die Bepflanzung ist bewusst nicht sehr bunt, weil die Mädels lieber Gemüse und Kräuter auf dem Balkon haben wollten als bunte Zierpflanzen. So entstand die Mischung aus Kräutern, optisch zurückhaltenden Veilchen und Gemüse. In den großen verzinkten Balkonkästen habe ich frühen Spinat, das Radieschen "Eiszapfen", Pflücksalat und Kopfsalat gesät. Sie kommen mit dem halbschattigen Standort relativ gut klar und sind auch im Topf gut zu kultivieren. Der Vorteil bei diesem früh angebauten Gemüse ist außerdem, dass es zum Teil schon Mitte Mai geerntet werden kann und die Kästen dann frei sind für robuste Buschbohnen oder Wildtomaten, die ebenfalls auf halbschattigen Standorten wie diesem überleben können.

Mittwoch, 13. April 2011

Duftveilchen


Dies ist mal wieder eine Liebeserklärung, ich möchte meine Verliebtheit quasi in die Welt hinausjauchzen! Sie gilt dem Duftveilchen, einer der unauffälligsten und schönsten Blumen überhaupt. Sie wächst gerne unter lichten Gehölzen und mag im Sommer sogar eher schattige Plätze. Sie ist klein und trotz ihrer feinen, leuchtenden Blüten kaum verbreitet. Es ist ein Mauerblümchen, jedoch mit geheimen Qualitäten.

Das es sich in unser Gärten und Balkonen so selten findet hat bestimmt den Grund, dass es einem nicht in jedem Gartencenter, Baumarkt oder jeder Gärtnerei hinterhergeschmissen wird. Wer ein Duftveilchen kaufen will muss manchmal lange suchen. Wer es jedoch gefunden hat, dieses kleine rührende dufte Pflänzchen, wird es nie wieder hergeben wollen!

Duftveilchen wirken zart und zerbrechlich, man möchte sie beschützen und pflegen. Ihr lieblicher Duft ist ein hinreissender Kontrast dazu - ich könnte den ganzen Tag an ihnen schnuppern. Ihre Blüten können Liköre oder Desserts aromatisieren oder kandiert zur luxuriösen Verzierung werden. Ihre jungen Blätter finden außerdem Verwendung in Salaten.

Was natürlich jede fabelhafte Pflanze noch fabelhafter macht ist, wenn sie sich ausbreitet. Und das tut das Duftveilchen! Natürlich nicht stark, nein, es reisst nicht rasch die Herrschaft riesiger Flächen an sich! Sondern Stück für Stück breitet es sich mit Hilfe von Ausläufern sanft und langsam aus. Und ich verknalltes Gartenmädchen stehe verzückt daneben und verliere mein Herz immer mehr an diese niedlichen, leuchtende, zarte und duftenden Pflanze!

Freitag, 13. August 2010

Die gelben Engel


Sie sind einer der Gründe, weshalb ich letztlich auf ein strenges Farbkonzept im Garten pfeife, sie sind die jährlich wiederkehrenden treuen Seelen des Hinterhofes, die Dauerblüher unter widrigsten Verhältnissen und einfach unverzichtbar für mich: Ringelblumen. Anfang des Jahres verteile ich stets ein paar Päckchen Saatgut im Garten, der Rest erledigt sich von selber: sie wächst und blüht, unermüdlich und unkaputtbar. Inzwischen sind es sogar so viele Blumen, die ihre Samen so gründlich verstreuen, dass ich im nächsten Jahr sicherlich auf die Aussaat im März verzichten kann.

Die als "Bauerngartenblumen" bekannten, einjährigen Pflanzen sind inzwischen nicht nur in gelb, sondern in einer enormen Farbpalette erhältlich. Ihre Blüten können gefüllt sein, pastellig oder knallig, in einer Bandbreite die von Cremeweiß über Knallorange oder leuchtend Gelb reicht. Selbst sanfte Brauntöne wurden in die Blüten hineingezüchtet. (Wen es interessiert: die größte Auswahl bietet der englischen Saatguthersteller Thompson&Morgan an!)

Ihre Wurzelauscheidungen wirken gegen Nematoden, weshalb sie perfekt in Mischkultur mit Bohnen, Möhren, Tomaten, Erdbeeren, Himbeeren, Kohl und sogar Ziepflanzen wie Rosen sind. Unverträglichkeiten gibt es - meines Wissens- keine. Sie können auch allen möglichen Tees und Gerichten hinzugefügt werden, sogar frisch und getrocknet.

Als wäre das alles nicht genug, ist die Ringelblume auch eine großartige Nährpflanze für Insekten, Hummeln, Bienen oder Schmetterlinge.

In der Naturheilkunde wird sie vornehmlich zur Unterstützung der Wundheilung eingesetzt, gilt aber ebenso als Heilkraut für allerlei Verdauungleiden. Auf der Seite heilkraeuter.de habe ich folgende Anwendungsgebiete für Calendula gefunden: Geschwollene Lymphknoten, Mundschleimhaut-entzündungen, Magen- und Darmstörungen, Brechreiz, Magengeschwür, Verstopfung, Hämorrhoiden, Gallenbeschwerden, Leberschwäche, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Schwindel, Angstzustände, Menstruations fördernd, Menstruationsschmerzen, Wechseljahrsbeschwerden, Quetschungen, Zerrungen, Blutergüsse, Hautleiden, Wunden, Schlecht heilende Wunden, Ekzeme, Geschwüre, Brandwunden (leichte), Sonnenbrand, Gesprungene Lippen, Schnittwunden, Pickel, Furunkel, Erysipel, Unreine Haut, Warzen, Krampfadern, Unterschenkelgeschwüre, Offene Beine, Hautkrebs, Entzündungen und Vereiterungen der Haut, Wundliegen, Wunde Brustwarzen, Wunde Babypopos, Windeldermatitis, Narbenwucherungen, Schmerzen in Amputationsstümpfen, Afterjucken, Gesichtsrose, Gürtelrose.

Was will man mehr?
Sollte es mich also mal dort Jucken, wo die Sonne nie hinscheint, ich von Ekzemen, Geschwüren oder Narbenwucherungen heimgesucht werden, so gehe ich in den Garten und pflücke eine dieser sonnengelben Blüten. Ehrlich. Sollte das nie geschehen, so werde ich mit ihnen einfach weiterhin die Gesundheit meines Gemüses, die Farbvielfalt meines Gartens sowie das Kulinarische Niveau meiner Speisen heben.

Dienstag, 27. Juli 2010

Kräuter konservieren


Stadtgärtner verfügen oft über viele Kräuter. Nicht nur die Hinterhofgärtnerinnen wie ich, sondern gerade die, die nur einen Balkon oder eine Fensterbank haben. Da sie im Winter nicht geerntet werden und im Frühling, beim Rückschnitt, ihr Aroma verloren haben, sollten man sie im späten Sommer beernten um sich den Wintervorrat zu sichern.

Ein paar Kräuter, z.B. Basilikum, Petersilie, Koriander, Zitronenmelisse und Schnittlauch können nicht getrocknet werde. Sie würden zu geschmacklosen grünen Pappstückchen werden. Die Schaden keinem Essen, helfen aber auch Null. Am besten ist es, sie grob zu schneiden und einzufrieren. So bleiben sie lang frisch und den Winter über verfügbar. Wer, wie ich, nur ein kleines Gefrierfach hat, dass er unmöglich mit Kräutern vollstopfen kann, weil dort noch eine Tiefkühlpizza mit reduziertem Fettgehalt, selbtsgemachtes Eis, Biorinderleber und Eiswürfel für den Fall einer spontanen Cocktailparty lagern, braucht Alternativen. Zum Beispiel kann man diese Kräuter in Essig oder mildem Öl einlegen.

Andere Kräuter, etwa Salbei, Lavendel, Ysop, Thymian oder Rosmarin, vertragen es besser getrocknet zu werden. Ich binde mit ihnen kleine Sträuße und hänge sie in meiner Küche auf, bis sie getrocknet sind. Dann kann man sie abhängen und in kleinen Dosen oder Gläser dunkel lagern und im Winter noch immer mit eigenen Biokräutern würzen.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Kümmelernte


Ich bin absolut begeistert wegen meines Kümmels. Die Ernte ist nur minimal, das ist nicht der Grund, sondern dass mir einfach nicht klar war, dass ich hier in der Stadt tatsächlich Kümmel anbauen kann. Die Pflanze habe ich im Frühling gekauft, eigentlich nur aus Neugier und Forscherdrang. Sie blühte hübsch und ich freute mich daran.

Dass ich später die Samen probieren musste, war klar. Und tatsächlich: es ist echter, richtiger Kümmel! Unglaublich aromatisch und intensiv duftend.

Wie der Zufall so spielt, ist sogar gerade Aussaattermin für Kümmel, denn er ist Zweijährig. Ich glaube zwei oder drei Pflanzen könnten locker meinen Kümmeljahresbedarf decken. Kümmel aus dem eigenen Garten - davon hab' ich noch nie gehört!

Mittwoch, 28. April 2010

Kräuter und Salat



Den Kräutern im Garten kann man plötzlich fast beim Wachsen zusehen, ich kann mein Glück kaum fassen: so oft ich will habe ich nun frische Kräuter in meiner Küche! Nicht diese furchtbaren geschmacksneutralen Supermarktkräuter auf denen zwar ein Biosiegel klebt, die aber doch nach nichts schmecken, sondern frische, duftende, aromatische Kräuter. Gestern gab's zur Feier des Tages schon Rucolasalat mit Wildkräutern. Ich hab dafür Sauerampfer, Blutampfer, Brennesseln, Giersch, die erste Mangolddtriebe, Löwenzahn und Schnittlauch genommen. Ich konnte gar nicht fassen, wieviele Aromen und Konsistenzen ich schließlich im Mund hatte. Über den langen Winter hatte ich schon fast vergessen, dass Salat und Kräuter nach etwas schmecken können! Und so geht es jetzt immer weiter, bis zum Winter. Gärtner sind bestimmt die glücklichsten Stadtbewohner. Oder zumindest die mit den leckersten Salaten.


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