Leider besteht ein Großteil des Gärtnerns aus Warten. Zur Zeit - nur als Beispiel - warte ich darauf, dass es wärmer wird, ich den Spinat säen und die dicken Bohnen auspflanzen kann. Ich warte darauf, dass ich mich aufraffe und mir ein Frühbeet baue, ich warte auf die Krokosblüte und die Lieferung der bestellten Stauden. Ich warte darauf, dass der unglückliche Rasen wieder grün wird und ob die Tulpen im zweiten Jahr erneut blühen werden. Ich warte auf den Zeittpunkt, andem ich mit der Anzucht in der Wohnung voll loslegen kann und voll Neugier und Sehnsucht auf die Blüte der Kupferfelsenbirne (das wird die erste Blüte!). Und das sind nur Beispiele. Gärtnern ist eine einzige Geduldsprobe und Warterei.
Mit soviel Geduld sind wir Gärtner echte Freaks. Hier, in der Stadt, haben es alle eilig, da nehme ich mich nicht aus. Stress ist ein Statussymbol geworden. Wer Stress hat, hat viel zu tun, wer viel zu tun hat, wird gebraucht und ist wichtig. Deshalb haben wir es eilig. Wir haben es so eilig, dass wir unseren Latte Machiato auf der Straße in ekligen Pappbechern trinken, während wir ungeduldig auf den Bus warten, schnell einkaufen müssen, schnell nachhause müssen, schnell dies und das machen müssen.
Vor einer Woche hatte ich die Ehre, ein Interview für das großartige Projekt girls can blog! zu geben. Und da, plötzlich, stand es schwarz auf weiß: das Gärtnern hat einen neuen Menschen aus mir gemacht. Ich bin das vielleicht geduldigste Mädchen, dass die Bloggerin Annina je getroffen hat. Wow!
Also mach' ich mir nichts mehr draus, wenn ich morgen wieder in den Anzuchttöpfen auf der Fensterbank wühle. Ich weiß jetzt, ich kann manchmal auch anders. Zumindest, wenn es nicht um die zögerliche Keimung von Salat geht. Und um die Krokusblüte. Und das Warten auf den Frühling. Und den perfekten Mann. Und überhaupt. Ja, von all dem abgesehen, kann ich schon warten. Klaro.